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WM 2026

Saudischer Staatsfonds PIF wird FIFA-Sponsor der WM 2026 - die nächste Stufe der saudischen Fußball-Offensive

Der saudische Staatsfonds PIF wird FIFA-Sponsor zur WM 2026 - im Tier drei, mit den Töchtern Savvy Games und Qiddiya. Ein Bogen zu Aramco, zur WM 2034 und zur Sportswashing-Debatte.

Von Marco Feldmann 15. Mai 2026

FIFA-Präsident Gianni Infantino bei einer FIFA-Veranstaltung in Mexiko-Stadt im März 2026 - die saudische PIF tritt zur WM 2026 als Sponsor seiner FIFA auf. Foto: Zuma Press via SmartFrame

Es ist die nächste Stufe einer Strategie, die mit Newcastle United begann und über LIV Golf zur WM 2034 geführt hat: Der saudische Staatsfonds Public Investment Fund (PIF) wird offizieller Sponsor der Fußball-WM 2026. Die FIFA und PIF haben den Vertrag am 15. Mai 2026 öffentlich gemacht; PIF tritt in der dritten FIFA-Partnerstufe an, gemeinsam mit den hauseigenen Töchtern Savvy Games Group (Gaming/Esports) und Qiddiya City (Saudi-Megastadt-Projekt). Der Deal verschiebt damit die kommerzielle Achse der WM 2026 spürbar Richtung Golfregion - und schließt den Bogen zu Aramco, das schon seit 2024 Top-Partner der FIFA ist, sowie zur Vergabe der WM 2034 an Saudi-Arabien.

Was PIF mit der FIFA vereinbart hat

Die FIFA-Sponsorenpyramide hat drei Ebenen. Ganz oben stehen die globalen “FIFA Partner”: adidas, Coca-Cola, Visa und seit 2024 Aramco, Saudi-Arabiens staatlicher Ölkonzern. Die zweite Stufe sind die “WM-Sponsoren” aus den Gastgeberländern. Die dritte Stufe, in die PIF jetzt einsteigt, sind weltweite Tier-3-Sponsoren mit eigenem WM-Branding-Recht, aber ohne die hochpreisige Top-Sichtbarkeit der ersten Stufe.

Im Paket sind drei PIF-Marken sichtbar:

  • PIF selbst als Dachmarke des Staatsfonds.
  • Savvy Games Group, die Esports- und Gaming-Holding (Eigentümer der Riot-Games-Esports-Liga und Mehrheitsaktionär bei ESL FaceIt).
  • Qiddiya City, das saudische Großstadtprojekt südwestlich von Riad mit Stadien, Themenparks und Motorsport-Strecke.

Mohamed AlSayyadi, Sprecher von PIF, sagte zur Bekanntgabe: “PIF baut seine globale Präsenz im Sportbereich weiter aus, wobei Fußball im Zentrum dieses Wachstums steht.” Konkrete Vertragslaufzeit und Volumen hat keine der beiden Seiten genannt - bei Aramco hatten 2024 Branchenmedien einen Vier-Jahres-Kontrakt im hohen dreistelligen Millionenbereich kolportiert. Bestätigt ist davon offiziell nichts.

Vom LIV-Ausstieg zum FIFA-Einstieg

Interessant ist der Zeitpunkt. PIF hat im Frühjahr 2026 angekündigt, die LIV-Golf-Tour nicht mehr langfristig zu finanzieren. Wörtlich hieß es: “Die erheblichen Investitionen, die LIV Golf langfristig benötigt, sind nicht mehr mit der aktuellen Phase der Investitionsstrategie von PIF vereinbar.” Die Förderung läuft bis August 2026, danach soll die Tour ohne PIF-Hauptfinanzierung weitermachen.

In der neuen PIF-Strategie 2026-2030, die der Fonds Anfang Mai präsentierte, taucht Sport nicht mehr als eigene Säule auf. Auf den ersten Blick passt der FIFA-Deal nicht dazu. Auf den zweiten schon: PIF konzentriert seine Sport-Energie, die bisher auf Newcastle, LIV Golf, Tennis (ATP/WTA-Angebote 2024) und die Saudi Pro League verteilt war, auf den einen Hebel mit der weltweit größten Sichtbarkeit - die FIFA und ihre Turniere. Wer nur ein Sport-Schaufenster bauen will, baut es dort.

Aramco, PIF, WM 2034 - drei Bausteine einer Linie

Aus deutscher Sicht entsteht damit eine Linie, die sich bis 2034 ziehen lässt:

  1. Aramco ist seit April 2024 globaler FIFA Partner und damit auf jeder WM-Drittwerbebande, jedem offiziellen FIFA-Bild und neben dem WM-Pokal selbst präsent.
  2. PIF kommt jetzt für die WM 2026 als zusätzlicher Layer dazu - mit eigenem Branding, eigenen Aktivierungsrechten in den US-amerikanischen, kanadischen und mexikanischen Stadien.
  3. WM 2034 in Saudi-Arabien ist die kommerzielle Heimspiel-Verdichtung: Wenn die FIFA acht Jahre später nach Riad, Dschidda und in die noch zu bauende Megastadt NEOM zieht, ist PIF dort nicht nur Gastgeberinvestor, sondern auch FIFA-vertraglich verankerter Sponsor mit Markenhistorie.

Die Fußball-WM 2034 wurde am 11. Dezember 2024 ohne Gegenbewerber an Saudi-Arabien vergeben - der einzige andere Kandidat, Australien, hatte sich zurückgezogen. Im selben FIFA-Beschluss ging die WM 2030 an Marokko, Spanien und Portugal mit Jubiläumsspielen in Uruguay, Argentinien und Paraguay. Beide Turniere zusammen erweitern die WM-Wirtschaftsachse weit über die USA, Kanada und Mexiko der WM 2026 hinaus.

Die Sportswashing-Debatte - jetzt im FIFA-Studio

Der PIF wird seit Jahren als Vehikel saudischer “Sportswashing”-Strategie kritisiert. Amnesty International nannte die Newcastle-Übernahme 2021 “einen extrem bitteren Schlag für Menschenrechtsverteidiger”. Bei der LIV-Tour 2022/23 wiederholte sich das Muster; bei der WM-2034-Vergabe an Saudi-Arabien war es Thema im FIFA-Kongress (siehe auch unser Bericht zur Iran-WM-Verabschiedung, in der politische Sport-Inszenierung ebenfalls eine Rolle spielt).

Mit dem PIF-FIFA-Deal verlagert sich diese Debatte nun aus den Außenministerien der FIFA-Vergaben in die WM-Werbeflächen. Wer im Sommer 2026 die ersten WM-Spiele schaut, wird auf Bandenwerbung, Stadion-Branding und Social-Media-Aktivierungen Saudi-Inhalte sehen - in einer Häufung, die es bei einer WM in den USA bisher nicht gab. Die FIFA hat zu menschenrechtlicher Kritik bislang keine eigene Stellungnahme zum Deal abgegeben, anders als bei der Aramco-Verkündung 2024, als FIFA-Präsident Gianni Infantino auf wachsende Fußball-Förderung in Saudi-Arabien verwies.

Deutsche Verbände schweigen vorerst. Der DFB hatte 2024 die Vergabe der WM 2034 kritisch begleitet, aber an der Vergabe selbst nicht widersprochen. Eine Reaktion auf den PIF-FIFA-Deal vom 15. Mai ist nicht erfolgt.

Was das fürs Turnier konkret bedeutet

Operativ ändert der Deal an den 104 Spielen der WM 2026 wenig - Spielplan, Stadien und Anstoßzeiten stehen seit dem Auslosungstag am 5. Dezember 2025 fest. Aber drei Stellen werden spürbar:

  • Stadion-Branding: PIF, Savvy und Qiddiya bekommen Drittbandenwerbung, digitale Banden in den ersten zehn Spielminuten und Aktivierungsflächen rund um die Stadien.
  • Globale TV-Spots: Auf dem deutschen Markt werden ARD und ZDF die FIFA-Werbung weitgehend ausblenden müssen (Regeln zu Werbung im Programm), aber auf den FIFA-eigenen Kanälen, auf Sponsor-Streams und in den USA voll spielen.
  • WM-Finale-Showroom: Das Endspiel am 19. Juli 2026 im MetLife Stadium ist die teuerste Werbefläche des Jahres. PIF-Markenpräsenz dort - neben Aramco, adidas und Co - ist Teil der Tier-3-Sponsorenrechte. Wie genau das aussehen soll, hat die FIFA noch nicht kommuniziert; bei der Halbzeitshow mit Madonna, Shakira und BTS sind die Werbeplätze begehrt.

Was bleibt: Die WM 2026 wird die erste sein, bei der zwei saudische Staatsmarken (Aramco und PIF) auf zwei FIFA-Sponsorenstufen gleichzeitig stehen. Wer das im Kontext der jüngsten Regelreform zum Zeitspiel und VAR sieht, erkennt das Muster: Die FIFA der späten 2020er-Jahre baut Turniere und Regeln zunehmend mit Blick auf den Golf-Markt - und Saudi-Arabien sitzt im Aufsichtsrat dieser Entwicklung mit zwei Stimmen am Tisch.

Bis zum Anpfiff am 11. Juni 2026 in Mexiko-Stadt bleibt der Deal ein PR-Erfolg für die FIFA und eine politisch geladene Nachricht für alle, die das WM-Turnier als globales Gemeinschaftsprodukt verstehen wollten. Der nächste Marker ist die FIFA-Pressekonferenz vor dem Eröffnungsspiel - dort wird Infantino erklären müssen, wie er die Sponsorenlinie zu Aramco und PIF nicht nur als Geschäft, sondern auch als Botschaft an den Weltfußball moderiert.

Autor

Marco Feldmann

Redakteur Internationaler Fußball

Marco Feldmann hat den Blick auf den Weltfußball: WM-Qualifikation in allen Konföderationen, die 48 WM-2026-Teilnehmer, die Klub-WM und Geheimfavoriten. Bei fussballweltmeisterschaft.online ordnet er ein, wer in Nordamerika für Überraschungen sorgen kann.

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