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WM 2026

UEFA bereitet Strafanzeige gegen Infantino vor: Art. 158 Schweizer StGB und US-Discovery-Antrag gegen Thrive Capital

UEFA-Exekutive autorisiert 27.08.2026 in Monaco eine Strafanzeige gegen Infantino nach Art. 158 StGB. Bis 5 Jahre Haft, US-Discovery gegen Thrive Capital.

Von Marco Feldmann 28. August 2026

Berlin, 29.06.2024: UEFA-Praesident Aleksander Ceferin und FIFA-Praesident Gianni Infantino im Berliner Olympiastadion beim EM-Achtelfinale Schweiz gegen Italien. Zwei Jahre spaeter, am 27.08.2026 in Monaco, autorisiert die UEFA-Exekutive unter Ceferin eine Strafanzeige gegen Infantino nach Art. 158 Schweizer StGB (Foto: Zuma Press). Foto: Zuma Press via SmartFrame

Der 27. August 2026 in Monaco liefert die zweite politische Ueberraschung des Sommers: Waehrend die UEFA-Exekutive am Vormittag die Boykott-Drohung gegen FIFA-Turniere aufhebt, fasst sie im gleichen Umlauf den Beschluss fuer die haerteste denkbare Eskalation auf dem juristischen Kanal. Nach einem Bericht der Sportschau vom 27. August 2026 bereitet die UEFA eine Strafanzeige gegen FIFA-Praesident Gianni Infantino in der Schweiz vor - Straftatbestand ungetreue Geschaeftsbesorgung nach Artikel 158 des Schweizer Strafgesetzbuchs. Parallel liegt ein Discovery-Antrag vor US-Gerichten in Vorbereitung, der die Herausgabe von Unterlagen aus dem Umfeld des Investors Thrive Capital erzwingen soll. Nicht mehr Boykott-Drohung als politische Waffe, sondern der Justiz-Weg mit einem konkreten Straftatbestand.

Artikel 158 StGB: die Norm, die auf FIFA-Fuehrungsverantwortung passt

Artikel 158 des Schweizer Strafgesetzbuchs kodifiziert die ungetreue Geschaeftsbesorgung. Wer per Gesetz, behoerdlichem Auftrag, Rechtsgeschaeft oder Beruf verpflichtet ist, die Vermoegensinteressen eines anderen zu wahren, und dieser Pflicht schuldhaft zuwiderhandelt, macht sich strafbar. Das Grundstrafmass liegt bei einer Freiheitsstrafe bis drei Jahren oder Geldstrafe. Die qualifizierte Variante - Handeln in Bereicherungsabsicht - hebt das Strafmass auf bis zu fuenf Jahre Freiheitsstrafe.

Die Norm zielt exakt auf den Vorwurf, den die UEFA seit dem Krisen-Sommer 2026 gegen Infantino aufbaut. Der Forward-Enterprise-Term-Sheet mit Thrive Capital soll die FIFA nach UEFA-Lesart mit einer Unternehmensbewertung von rund zwanzig Milliarden US-Dollar an einen einzelnen privaten Investor gebunden haben - eine Bewertung, die die europaeische Konfoederation im offenen Brief als “absurd niedrig” markierte. Die Vermoegensinteressen der FIFA, die Infantino satzungsgemaess wahren muss, waeren nach dieser Lesart durch die zu geringe Bewertung materiell verletzt. Der Bericht der Sportschau-Redaktion vom 28. August benennt die “20 Milliarden Dollar” ausdruecklich als Kern des Vorwurfs.

Warum die Schweiz - und warum US-Discovery zusaetzlich

FIFA hat ihren statutarischen Sitz in Zuerich und unterliegt als Verein nach Schweizer Recht der Schweizer Justiz. Fuer Strafverfahren gegen Vereinsorgane ist regelmaessig die Bundesanwaltschaft in Bern zustaendig, ergaenzend die Zuercher Staatsanwaltschaft. Praezedenz sind die seit 2015 laufenden FIFAgate-Verfahren, in deren Verlauf mehrere frueherer FIFA-Funktionaere in der Schweiz angeklagt oder verurteilt wurden.

Der parallele US-Antrag ist juristisch elegant: Er stuetzt sich auf 28 U.S.C. §1782, eine bundesrechtliche Norm, die es auslaendischen Parteien erlaubt, vor US-Gerichten die Herausgabe von Beweismaterial fuer Verfahren im Ausland zu verlangen. Thrive Capital hat Sitz in New York, unterliegt damit der Jurisdiktion des Southern District of New York. Die UEFA muss die konkrete Verwendungsabsicht der Unterlagen im Schweizer Strafverfahren gegenueber dem US-Gericht darlegen - eine Schwelle, die die Discovery-Rechtsprechung in aehnlichen Faellen (Intel Corp. v. Advanced Micro Devices, 2004) tendenziell niedrig ansetzt. Die Herausgabepflicht wuerde Term-Sheet-Entwuerfe, interne Kommunikation zwischen Thrive-Capital-Prinzipal Joshua Kushner und der FIFA-Fuehrung sowie moegliche Nebenabreden umfassen.

Wer in Monaco autorisiert hat

Die UEFA-Exekutive umfasst zwanzig Mitglieder unter Vorsitz von Aleksander Ceferin. Deutschland ist doppelt vertreten: DFB-Praesident Bernd Neuendorf als reguleres Exekutivmitglied und Hans-Joachim Watzke, der seit 2023 der Exekutive angehoert. Beide haben die Anti-Infantino-Linie seit dem gemeinsamen Statement vom 29. Juli 2026 offen mitgetragen.

Die politische Vorlaufkette laesst sich rekonstruieren. Am 31. Juli 2026 hatte FIFA-Betriebsdirektor Kevin Lamour in einem Brief an AP den Investorenplan als “Projekt einer Person” beschrieben - die erste Insider-Aussage aus dem FIFA-Apparat heraus, dass Infantino ohne Rueckendeckung des zustaendigen Finanzausschusses gehandelt habe. Am 1. August folgte der formelle Rueckzug des Plans in Zuerich. Am 24. August machte Ceferin im Podcast The Rest Is Politics Leading klar, dass er zwar selbst nicht kandidieren, aber Infantinos Wiederwahl aktiv verhindern werde. Die deutsche Bayern-Fuehrung um Sportvorstand Max Eberl hatte den Investorenplan bereits Ende Juli als “beschaemend” bezeichnet und einen UEFA-Boykott mitgetragen. Die Strafanzeige ist der nachgeschaltete juristische Schritt in einer Kette, die politisch seit dem Rabat-Krisentreffen mit Wenger und Grafstroem im Fruehjahr aufgebaut wurde.

Verhaeltnis zur FIFA-Wahl am 18. Maerz 2027

Statutarisch hat die Anzeige keine direkte Wirkung auf Infantinos Wahlberechtigung. Die FIFA-Statuten verlangen eine rechtskraeftige Verurteilung fuer einen Ausschluss, und ein Schweizer Strafverfahren erreicht Rechtskraft fruehestens in Jahren. Der Bewerbungsschluss fuer die Wahl am 18. Maerz 2027 in Rabat faellt auf den 18. November 2026. Infantino wird sich bis dahin registrieren und den Wahlkampf mit dem laufenden Ermittlungsverfahren im Hintergrund fuehren.

Die politische Signalwirkung ist trotzdem enorm. Fuer die Stimmen-Mathematik bedeutet die Anzeige einen weiteren Anreiz fuer schwankende Verbaende, sich vor der Wahl von Infantino zu distanzieren. Auf der Anti-Infantino-Seite stehen die 55 UEFA-Verbaende (mit den 6 offen positionierten England, Schottland, Wales, Griechenland, Schweden, Serbien plus Norwegen und Neuseeland), auf der Pro-Infantino-Seite die 54 CAF-Stimmen sowie Argentinien, Mexiko, Marokko und Katar. Italien versagte am 26. August die Unterstuetzung. Der offene Brief von UEFA, CONCACAF (35 Stimmen) und AFC (46 Stimmen) hat die drei Konfoederationen im Sommer politisch zusammengefuehrt - offene Wahlempfehlungen der Dachverbaende AFC und CONCACAF fehlen jedoch bislang.

Die Bewerbungsfrist am 18. November wird zur ersten Belastungsprobe: Findet die Anti-Infantino-Front bis dahin einen Gegenkandidaten, wird die Wahl zum Zwei-Kandidaten-Referendum ueber die Kern-Frage der laufenden Strafanzeige. Der WM-2026-Pillar versammelt die praktische Reise- und Turnier-Perspektive - die Governance-Kaskade bleibt Sache der News-Chapter.

Das steht bis November auf dem Terminplan

DatumTermin
27.08.2026UEFA-Exekutive Monaco: Boykott-Aufhebung plus Strafanzeige-Autorisierung
28.08.Kicker- und Sportschau-Berichte machen Strafanzeige oeffentlich
05.09.U20-Frauen-WM in Polen beginnt (Boykott-Wolke abgezogen)
24.09.Klopps DFB-Debut in Amsterdam (Nations League)
18.11.2026Bewerbungsschluss FIFA-Wahl 2027 - Kandidaten-Registrierung
18.03.2027FIFA-Kongress Rabat: Praesidentschaftswahl

Die Strafanzeige duerfte in den kommenden Wochen bei der Bundesanwaltschaft in Bern eingereicht werden. Die formelle Anhoerung der FIFA und Infantinos Anwaelte laeuft dann standardmaessig ueber Wochen. Ob die Bundesanwaltschaft foermliche Ermittlungen aufnimmt, ist die erste Weiche - und der erste Zeitpunkt, an dem sich zeigt, ob die UEFA-Eskalation mehr ist als eine symbolische Anzeige.

Autor

Marco Feldmann

Redakteur Internationaler Fußball

Marco Feldmann hat den Blick auf den Weltfußball: WM-Qualifikation in allen Konföderationen, die 48 WM-2026-Teilnehmer, die Klub-WM und Geheimfavoriten. Bei fussballweltmeisterschaft.online ordnet er ein, wer in Nordamerika für Überraschungen sorgen kann.

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