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WM 2026

Beccacece und Ecuador trennen sich: der DFB-Bezwinger-Trainer geht nach dem WM-Aus

Beccacece und Ecuador trennen sich nach dem 0:2-Azteca-Aus gegen Mexiko. Der DFB-Bezwinger-Trainer geht - der Vertrag lief mit dem R32-Aus aus.

Von Marco Feldmann 01. Juli 2026

Sebastian Beccacece dirigiert seine Ecuador-Elf am 25. Juni 2026 beim 2:1-Sieg gegen Deutschland im MetLife Stadium in East Rutherford - sechs Tage spaeter besiegelt das 0:2 im Sechzehntelfinale gegen Mexiko das Ende seiner zweijaehrigen Amtszeit als Bondscoach (Foto: Zuma Press). Foto: Zuma Press via SmartFrame

Sebastian Beccacece und die ecuadorianische Fussball-Foederation FEF gehen getrennte Wege. Der 45-jaehrige argentinische Bondscoach hat direkt nach dem 0:2 im Sechzehntelfinale der WM 2026 gegen Mexiko am 30. Juni 2026 im Estadio Azteca in Mexiko-Stadt seinen Abschied bestaetigt. Der Vertrag war bis zum Ende des Turniers befristet und wird nicht verlaengert. In der Nacht-Pressekonferenz sagte Beccacece den zentralen Abschieds-Satz: “Heute ist es an der Zeit, sich von einer wunderbaren Familie zu verabschieden”. Zweieinhalb Wochen nach dem historischen 2:1-Sieg gegen die deutsche Nationalmannschaft am 25. Juni endet damit eine zweijaehrige Amtszeit, die die zweitbeste CONMEBOL-Qualifikation der ecuadorianischen WM-Geschichte gebracht hat, aber im Sechzehntelfinale gegen einen gastgeber-starken Konkurrenten stecken blieb.

Die Nacht im Azteca: Abschied nach dem 0:2

Der zeitliche Ablauf war knapp. Rund 90 Minuten nach dem Schlusspfiff des R32-Duells - das Mexiko dank der Tore von Julian Quinones (22. Minute) und Raul Jimenez (31. Minute) bereits vor der Pause entschieden hatte, ausfuehrlich im Spielbericht Mexiko - Ecuador 2:0 - trat Beccacece in der Katakomben-Pressekonferenz auf. Der argentinische Coach, im dunklen Anzug ohne Krawatte, wirkte nach dem 1-Stunde-Unwetter-verzoegerten Anpfiff sichtlich mitgenommen, sprach aber ruhig und aufgeraeumt: “Ich moechte mich bei den ecuadorianischen Fans, bei meinen Spielern und beim gesamten Umfeld der FEF fuer zwei intensive Jahre bedanken. Wir haben es nicht geschafft, unser Ziel zu erreichen - naemlich die beste WM in der Geschichte Ecuadors zu spielen”.

Der zweite Satz enthaelt die Selbst-Diagnose. Ecuadors bislang bestes WM-Ergebnis bleibt das Achtelfinale 2006 in Deutschland, wo die Elf von Luis Fernando Suarez im Achtelfinale in Stuttgart 0:1 gegen England (durch einen Beckham-Freistoss) ausgeschieden war. Beccaceces Auftrag der FEF-Praesidenten Francisco Egas war das Viertelfinale - der historische Sprung, der die WM 2026 zur “besten WM der ecuadorianischen Geschichte” haette machen sollen. Das 0:2 im Azteca gegen einen Gastgeber, der einen 40-Jahres-Fluch brechen wollte, hat diesen Sprung verhindert.

Die formale Trennung ist einvernehmlich. Beccaceces Vertrag lief bis zum Ende der WM 2026 und war laut vorab kommunizierten FEF-Angaben mit einer nachvollziehbaren Erfolgs-Klausel (Viertelfinal-Einzug) an eine Verlaengerung geknuepft. Die Klausel greift damit nicht. FEF-Praesident Egas duerfte in den kommenden Tagen offiziell Stellung nehmen - der Trainer selbst ist mit der oeffentlichen Ankuendigung dem Verband einen Tag zuvorgekommen.

Zwei Jahre Ecuador: die Beccacece-Bilanz

Die Rechnung ist rund. Beccacece hatte den Ecuador-Cheftrainerposten am 1. August 2024 als Nachfolger von Felix Sanchez Bas uebernommen. Bis zur R32-Nacht im Azteca stand er in 26 offiziellen Laenderspielen an der Seitenlinie: 14 Siege, 6 Unentschieden, 6 Niederlagen. Die Bilanz teilt sich in zwei Bloecke:

Beccacece-AmtszeitAug 2024 - Jul 2026
Amtsantritt1. August 2024 als Nachfolger Felix Sanchez Bas
CONMEBOL-Quali WM 202625 Punkte aus 18 Spielen, Platz 2 hinter Argentinien
Serie in der Quali11 Spiele in Folge ungeschlagen
Ueberholte TeamsBrasilien, Uruguay, Kolumbien
WM-Gruppenphase 20260:1 Elfenbeinkueste, 0:0 Curacao, 2:1 Deutschland
WM-Achtelfinal-Duell0:2 Mexiko (Azteca, 30. Juni 2026)
Bilanz gesamt26 Spiele, 14 S, 6 U, 6 N
Gehalts-Rang FEFZweit-hoechst-dotierter Trainer der Verbandsgeschichte

Die CONMEBOL-Quali-Leistung ist der harte Kern. Ecuador war unter Beccacece Platz zwei hinter Argentinien geworden - vor Uruguay, Kolumbien und Brasilien. Elf Spiele in Folge ohne Niederlage in der Quali-Endphase 2024/25, ein 1:0-Heimsieg gegen Weltmeister Argentinien in Quito im September 2025 und ein 0:0 in Rio gegen Brasilien im November 2025 waren die statistischen Marken. Der ecuadorianische WM-Kader 2026 enthielt mit Moises Caicedo (FC Chelsea), Willian Pacho (Paris Saint-Germain), Piero Hincapie (Bayer Leverkusen) und Jhon Yeboah (Venezia FC) mehrere Premier-League- und Bundesliga-Namen, die Beccacece zu einer taktisch flexiblen 4-3-3-Elf mit Caicedo als tiefem Ordnungshueter formte.

Bei der WM 2026 selbst kippte die Storyline in nur drei Gruppenspielen mehrfach. Die 0:1-Auftakt-Niederlage gegen die Elfenbeinkueste in Toronto war ein Rueckschlag; das 0:0 gegen Curacao am Matchday zwei drueckte Ecuador ans Tabellenende der Gruppe E. Das entscheidende Gruppen-Finale gegen Deutschland am 25. Juni im MetLife Stadium wurde dann zur symbolischen Zenit-Partie: Ecuador drehte einen 0:1-Rueckstand nach Nagelsmanns fruehem Fuehrungstor durch Moises Caicedo und Kendry Paez in 2:1 um und zog damit als Gruppen-Dritter ueber den Bestlisten-Schluessel ins Sechzehntelfinale ein. Der Preis: das R32-Los gegen Mexiko im Azteca-Hoehen-Umfeld.

Der Coach-Werdegang: von Rosario bis Quito

Sebastian Andres Beccacece, geboren am 17. Dezember 1980 in Rosario, hat einen ungewoehnlichen Cheftrainer-Karriere-Pfad. Der Argentinier war rund ein Jahrzehnt lang Co-Trainer unter Jorge Sampaoli - eine Assistenz-Rolle, die ihn zu den Stationen Sport Boys, Coronel Bolognesi, Sporting Cristal, O’Higgins, Emelec, Universidad de Chile, dem chilenischen Nationalteam und dem argentinischen Nationalteam gefuehrt hatte. Der Sampaoli-Sog endete 2015 mit der Chile-Copa-America-Titelgeschichte; Beccacece machte sich danach selbststaendig.

Als Cheftrainer war er ab 2016 bei Universidad de Chile am Werk, uebernahm dann in Argentinien mehrfach Defensa y Justicia (2016/17, 2018/19, 2021/22), Independiente (2019) und Racing Club de Avellaneda (2020) und wagte 2023/24 mit Elche CF den Sprung nach Europa - ein Zwischen-Aufenthalt in der spanischen Segunda Division. Am 1. August 2024 unterschrieb er den FEF-Vertrag als Ecuador-Bondscoach mit Ausrichtung auf die WM 2026. Fuer den argentinischen Coach ist der Ecuador-Auftrag der bislang groesste Karriere-Meilenstein - und mit dem R32-Aus der bislang groesste Karriere-Rueckschlag.

Die Nachfolge-Frage: Alfaro, Rueda oder Gareca?

Die FEF hat noch keinen Nachfolger benannt, aber die CONMEBOL-Presse-Landschaft handelt in der Nacht bereits drei Namen:

Gustavo Alfaro - der Argentinier hatte Ecuador schon zwischen 2020 und 2022 zur WM 2022 in Katar gefuehrt und dort ein achtbares Turnier gespielt (drei Punkte in der Gruppenphase, Aus im Gruppen-Dritter-Schluessel). Alfaro ist aktuell paraguayischer Bondscoach und hat mit dem ueberraschenden Paraguay-Achtelfinal-Erfolg gegen Deutschland am 29. Juni gerade eine Karriere-Hoehe erlebt. Ein Wechsel zurueck nach Quito waere ein CONMEBOL-Coup, an dessen Realismus aber die paraguayische APF (Asociacion Paraguaya de Futbol) sicher-anzweifelnd zieht.

Reinaldo Rueda - der Kolumbianer hatte Ecuador bereits von 2004 bis 2008 zur ersten Achtelfinal-Teilnahme der Verbandsgeschichte 2006 in Deutschland gefuehrt. Der heute 68-jaehrige Rueda ist ohne Verein und kennt das ecuadorianische System aus erster Erfahrung.

Ricardo Gareca - der argentinische Peru-Meister-Coach, der Peru 2018 nach 36 Jahren wieder zu einer WM-Teilnahme gefuehrt hatte, ist ein weiterer CONMEBOL-freier Cheftrainer-Name. Gareca hatte zuletzt Chile in der Quali-Endphase 2025 uebernommen, war dort aber ohne Erfolg geblieben.

Fuer eine schnelle Bekanntgabe fehlt die Dringlichkeit. Die naechste ecuadorianische Pflicht-Partie ist der Auftakt der CONMEBOL-Quali zur WM 2030 im Herbst 2027 - die FEF hat rund 14 Monate Zeit, den Nachfolge-Prozess sportlich und finanziell zu strukturieren. Der neue Zyklus zielt auf die WM 2030 mit dem historischen Dreier-Gastgeber Marokko / Spanien / Portugal (plus die drei sued-amerikanischen Feier-Spiele in Uruguay, Argentinien und Paraguay zum 100-jaehrigen Jubilaeum der ersten WM 1930 in Montevideo).

Deutsche Lesart: der DFB-Bezwinger vom 25. Juni geht

Fuer die deutschen WM-Interessenten schliesst sich ein Kapitel. Der Trainer, der die DFB-Elf am 25. Juni im MetLife Stadium 2:1 geschlagen und damit einen der grossen Kipp-Punkte der deutschen WM 2026 gesetzt hatte, verlaesst die internationale Buehne nach weniger als einer Woche. Der Beccacece-Faktor war fuer die deutsche Erzaehlung der WM 2026 ambivalent: Auf der einen Seite hat der argentinische Coach mit einer taktisch schlau eingestellten 4-3-3-Elf die Nagelsmann-Mannschaft in der Gruppenphase entzaubert und in den Gruppen-Zweit-Platz und in die R32-Falle Paraguay geschickt. Auf der anderen Seite hat der Ecuador-2:1-Erfolg mit dem eigenen R32-Aus im Azteca weniger als eine Woche spaeter selbst nur begrenzten Nachhall - die deutschen und ecuadorianischen Turniere endeten quasi zeitgleich, mit dem Ecuador-Team-Portrait als bleibendem Referenz-Punkt.

Das CONMEBOL-Coach-Karussell dreht sich in der Zwischenzeit weiter. Argentinien mit Lionel Scaloni ist am Viertelfinal-Weg (Kap Verde am 2. Juli in San Francisco). Brasilien mit Dorival Junior ist im Sechzehntelfinale gegen Japan mit 1:2 ueberraschend ausgeschieden. Uruguay mit Marcelo Bielsa ist ebenfalls raus. Fuer Beccacece endet das ecuadorianische Kapitel damit im ueblichen CONMEBOL-Coach-Karussell-Muster: elf Spiele ohne Niederlage in der Quali, ein historischer WM-Kader, ein spektakulaerer Gruppenphasen-Coup gegen einen europaeischen Top-Verband - und ein R32-Aus, an dessen Ende der argentinische Trainer nach zwei Jahren nach Rosario zurueckreist.

Autor

Marco Feldmann

Redakteur Internationaler Fußball

Marco Feldmann hat den Blick auf den Weltfußball: WM-Qualifikation in allen Konföderationen, die 48 WM-2026-Teilnehmer, die Klub-WM und Geheimfavoriten. Bei fussballweltmeisterschaft.online ordnet er ein, wer in Nordamerika für Überraschungen sorgen kann.

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